Nach einem Seitenblick auf Heideggers Konzept der Eigentlichkeit/Uneigentlichkeit und der Lektüre von Jean-Paul Sartres phänomenologischer Beschreibung von „Pierre“, den Kellner, der einen Kellner „spielt“, vertiefen wir heute die Analyse des menschlichen Schauspielertums durch die philosophische Anthropologie Hellmuth Plessners (1892-1985). Das gebrochene, „abständige“ Selbstverhältnis des Menschen, so Plessner in „Zur Anthropologie des Schauspielers“ (1948), offenbart sich gerade in seiner Fähigkeit zur Nachahmung, zur Parodie und zur Schauspielerei. Was geschieht, wenn der Schauspieler seinen Leib zum Objekt bzw. Material einer Darstellung macht? Und trägt nicht die soziale Nötigung, „etwas zu sein“, zur durchgängigen Theatralisierung oder Dramatisierung der Existenz bei? Verfehlt also Heideggers Vorstellung von der uneigentlichen Verfallenheit an das „man“ – und deren Denunzierung als substanzloses, unernsthaftes und todesvergessenes Dasein – gerade die grundlegenden Aspekte der menschlichen Existenz?

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