Nach den einigermaßen komplizierten Gedankengängen über die metakommunikative Logik des Spielens gönnen wir uns eine Pause für einen historischen Rückblick. Die Philosophie beginnt erst im Zuge der rationalistischen Aufklärung, das Spiel zu problematisieren. Dabei steht es, ausgehend vom „protestantischen Geistes des Kapitalismus“ (Max Weber) sogleich unter Verdacht: Wer Lebenszeit vertändelt, setzt sein Seelenheil aufs Spiel, ver-spielt den göttlichen Auftrag, durch Arbeit, innerweltliche Askese und Wohlstandsmehrung sich der Erlösung würdig zu machen.

Für die meisten Autoren der Aufklärung ist das Spiel – wenigstens beim Kinde – nur dadurch gerechtfertigt, dass es gerade kein Spiel ist, sondern nützliche Übung, Training, notwendig zur Erprobung und Entfaltung der natürlichen körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Die Kinder dürfen also spielen – solange und sofern es sie auf die Arbeit und den Ernst des Lebens vorbereitet.

Es ist vor allem Friedrich Schiller, der sich mit seiner zwar etwas verstiegenen und pathetisch-überhöhten, aber dennoch bahnbrechenden und einflußreichen Schrift „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ dem rationalistischen Utilitarismus der Aufklärung entgegenstellt: Für ihn ist das Spiel – im weitesten Sinne – die genuine ästhetische Produktivität des Menschen und damit dem wahrhaft Humanen wesentlich zu eigen. Schilklers Aufsatz wird lange nachwirken ­ bis hin zu Nietzsche und der Reformpädagogik des frühen 20. Jahrhunderts.

Wir lesen, vorbereitet durch Hinweise von Max Weber, Texte von John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Immanuel Kant, Jean Paul, Friedrich Schiller und Julius Schaller.

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